Stoff- & Lederlexikon für Möbel

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

oft gibt es viele Stoff- und Lederangebote und Varaitonen für Ihr Sofa und man weiß vielleicht gar nicht, was all diese Begriffe wie „Anilinleder“, „Semianilinleder“ und andere Fachbegriffe wie „Patina“, bedeuten. Um Ihren nächsten Sofakauf zu erleichtern, möchte ich Ihnen ein Paar Begrifflichkeiten und Qualitäten erklären.

Tierhäute (Leder)

Anilinleder: ist naturbelassenes Nappaleder ⇒ heutzutage ein Sammelbegriff für alle weichen und geschmeidigen Glatteleder aller Tierarten; Anilinleder gilt als das hochwertigste Leder und wird natürlich weiterverarbeitet, sodass die Hautporen geöffnet bleiben. Dies ermöglicht einen besonders guten Wärmeaustausch. Naturmerkmale des Tieres und Farbunterschiede bleiben oftmals erhalten.

Semianilinleder: dieses Leder erhält eine leichte Farbschicht, sodass die natürliche porige Oberfläche nicht komplett überdeckt wird, sondern nur geschützt wird.

Pigmentiertes Nappaleder: dieses Material wird vollständig mit Farbe überdeckt – also pigmentiert. Hierbei entsteht ein hoher Schutz für das Leder gegenüber vielen umweltlichen Einflüssen, wie Licht, Schweiß und Reibung. Naturmerklmale sind kaum mehr erkennbar. Dieses pigmentierte leder wird oft in Autos eingesetzt, da hier eine besonders hohe Belastung besteht.

Rauleder (Nubuk & Velours): Rauleder haben eine mehr oder weniger samtige Oberfläche durch Aufrauen. Vor der weiteren Verarbeitung wird eine Haut vorerst gespalten. Das heißt, dass die äußere, sichtbare Schicht (Narbenseite) von der inneren Seite (Fleischseite) aufgrund seiner Dicke, abgespalten wird. Hier bestehen Unterschiede in der Qualität sowie Reißfestigkeit. Richtiges Nubukleder wird von der Narbenseite her angeschliffen und erhält dadurch eine sehr samtige Struktur. Veloursleder ist aufgerauter und oftmals vom Teil des Fleischspalts.

Generell gilt: je offener und unbehandelter die Struktur bzw. je weniger pigmentiert, desto hochwertiger das Leder.

gebrauchstbedingte Patina: diese Patina kann nach einiger Zeit, oder einigen Jahren aufgrund des Gebrauchs des Ledermöbels auftreten. Vor allem Anilinleder (siehe oben) erhält diese natürliche Patina schneller, als pigmentierte Leder. Man erkennt sie an sich dunkler oder glatter verfärbten Stellen und Abdrücken. Bei Oldtimern z.B. gilt diese Patina als eine Art „Veredelung“. Reißen sollte das Leder allerdings nicht!

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Auch bei den Stoffen für Möbel ergeben sich viele Unterschiede. Die wichtigsten möchte ich Ihnen vorstellen.

Wenn man über sogenannte Flachgewebe spricht, meint man eben Stoff. Dieser unterliegt – vor allem bei Möbeln – gewissen Qualitätsstandards: z.B. Scheuertouren. Soll heißen, wie beständig der Stoff auf Reibung reagiert. Ein Teststoff und ein Gewebe werden dazu so lange aneinander gerieben, bis maximal drei Fasern eines Flachgewebes zerstört sind. Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM) fordert als Standard für die Erteilung ihres Qualitätssiegels 10.000 Scheuertouren. Höher ist also immer besser!

Stoffbezüge bestehen oft aus verschiedenen Zusammensetzungen aufgrund der Scheuerfestigkeit und anderen positiven Eigenschaften, die ein Sofa mit sich bringen sollte.

Naturfasern

Baumwolle: Baumwolle ist sehr angenehm auf der Haut, sehr saugfähig und doch hygienisch. Im Gegensatz zu anderen Stoffen, hat sie leider kaum Lichtbeständigkeit, sodass sie nicht direktem Licht ausgesetzt werden sollte.

Leinen: wirkt kühlend und trocknet schnell. Außerdem weist Leinen sehr gut Schmutz ab und ist somit realtiv pflegeleicht. Eine weitere tolle Eigenschaft ist, dass es sich kaum elektrostatisch auflädt. Ein Nachteil ist allerdings die hohe Knitteranfälligkeit.

Wolle (tierisches Haar): durch die hohe Rücksprungkraft von Wolle bilden sich so gut wie keine Knitterfalten. Wolle ist sehr atmungsaktiv, was bedeutet, dass auch der Feuchtigkeitsaustausch sehr hoch ist und sie von natur aus selbstreinigend wirkt. Im Winter wärmt sie, im Sommer klebt sie nicht unangenehm auf der Haut. Desweiteren ist Wolle schmutzabweisend.

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Chemiefasern

Oft denkt man bei Chemiefasern an „billiges Zeug“ – vor allem bei Polyester und alles was in diese Stoffgruppe zählt. Dies ist aber ein Irrglaube, da es heutzutage schon sehr hochwertige und auch funktionelle Polyesterstoffe gibt, wie z.B. in der Sportbekleidung. Außerdem bringt es praktische Eigenschaften mit sich – die Mischung macht’s also!

Polyesterstoffe: Polyesterstoffe werden synthetisch hergestellt. Polyester nimmt so gut wie keine Feuchtigkeit auf, bzw. gibt diese sehr schnell wieder ab. Hinzu kommt eine hohe Elastizität – also kaum Knitteranfälligkeit – und die sehr gute Lichtbeständigkeit. Im Materialmix gekonnt eingesetzt, wertet es also z.B. die Eignschaften von baumwolle und anderen Stoffen auf.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen grundlegenden Informationen den nächsten Möbelkauf zu erleichtern und auch die Entscheidung zwischen Leder- und Stoffbezug.

Probieren Sie doch mal etwas Neues!